Diana Thater: OFF WITH THEIR HEADS, Videoinstallation auf LED-Screens
28. Juni – 31. Juli 2007 / Eröffnung am 28. Juni 2007, 20 Uhr
Im Rahmen von Festspiel+, einer Kooperation der Bayerischen Staatsoper und der Pinakothek der Moderne im Rahmen der Münchner Opernfestspiele 2007
Riesige Schachfiguren, elf Züge ausgeführt von gigantischen Händen: das königliche Spiel in der phantastischen Welt von Alice in Wonderland. Die renommierte amerikanische Video- und Installationskünstlerin Diana Thater (*1962, Los Angeles) bespielt im Rahmen der Münchner Opernfestspiele Festspiel+ die sieben Lichtstelen vor dem OSRAM-Haus als Satellit der Ausstellung ...drawling, stretching and fainting in croils... in der Pinakothek der Moderne. Wie die gesamte Ausstellung setzt sich auch die eigens für die Seven Screens entwickelte Arbeit mit Lewis Carolls Romanfigur „Alice“ auseinander.
Thater möchte explizit das Nicht-Narrative in ihrer Arbeit umsetzen. Aus diesem Ansatz heraus entstand bereits vor 17 Jahren ihr Fokus auf Tierbilder. Was die Künstlerin nicht sucht, ist das Erzählerische. Sie wehrt sich gegen den Gedanken, ihr Medium, das Video, müsse einen erzählerischen Grundcharakter besitzen, denn gemäß ihrer künstlerischen Auffassung ist das eigentliche Thema eines jeden Videos die Zeit und deren unabwendbarer Verlauf. Ein abstrakt gehaltenes Video wie OFF WITH THEIR HEADS abstrahiert in der Konsequenz die Zeit selbst und übersetzt sie zum Kürzel.
Schach ist eine Möglichkeit, Universalien unseres Alltags, wie Regeln des Miteinanders, Täuschmanöver, Verlust etc. darzustellen, ohne auf eine Geschichte ausweichen zu müssen. In ihrem Video nähert sich Thater der inhärenten Bedeutung von Schach, beziehungsweise des Spiels. „Das Spiel“, so die Künstlerin, „hat wie das Leben einen Beginn, eine Mitte, ein Ende. Aber – auch wie das Leben – erzählt das Spiel keine bedeutungsvolle Geschichte.“
Das Schachspiel in OFF WITH THEIR HEADS verfolgt die letzten elf Züge aus dem Roman von Lewis Carroll Alice hinter den Spiegeln von 1871, in der Alice, aus der undankbaren Figur des Bauern heraus, dennoch das Spiel gewinnt, in einer geschickten Umverwandlung zur Dame wird und am Ende der Szene sogar den Roten König schlägt. In Thaters Installation auf den sieben Bildschirmen vor dem OSRAM-Haus sind keine Spieler sondern nur deren Hände in extremer Nahsicht zu sehen, was sowohl Finger wie Schachfiguren monumentalisiert. Auf der Vorderseite des Bildschirms wird das Spiel vorwärts gespielt, auf der Rückseite rückwärts. Durch diese Umkehrung und durch die Überdimensionierung der verfolgten Partie, gewinnt das Bild des Spiels noch stärker an Absurdität und steht damit den oftmals im Nonsens geborenen Romanhandlungen Carrolls in nichts nach.
Thater zählt Alice zu den „fünf wichtigsten Büchern“ ihres Lebens. Schon 1998 basierte ihre Arbeit The Caucus Race auf einem Kapitel des Buches. So empfand Thater es als glückliche Fügung, dass Kent Nagano sie zu Festspiel+ 2007 einlud, um zur Uraufführung der Oper des koreanischen Komponistinen Unsuk Chin, die auch um das Thema der Alice kreist, ein ergänzendes Kunstprogramm mit sechs jungen Künstlern – Leo Estevez, Jeremy Gilbert-Rolfe, T. Kelly Mason, Katy Schimert, Jill Spector und Dawson Weber – zu entwerfen.
„Das Interessante an dieser Blickbündelung vieler verschiedener Künstler ist, dass hierdurch eher Alice und die einzelnen Charaktere im Wunderland neu entstehen: Alle repräsentieren gleichzeitig Allerlei. In dieser Ausstellung werden also sechs Künstler in einer größeren gemeinsamen Geschichte verbunden,“ erläutert Thater das Konzept. Da die Künstler so zum Teil der Geschichte werden, ist es ihnen möglich, „nicht mehr nur über Alice, sondern mit Alice“ zu sprechen. Das ist die Aufgabe, die Thater an sich und ihre Künstler stellt: Nicht erzählen. Sein.
„’Die Antworten liegen in mir,’ sagte Alice, als sie lächelnd durch den Spiegel trat“, lässt Lewis Carroll seinen Leser wissen. Thater gibt diese Erfahrung in ihrer Videokunst an den Schauenden weiter.
Thaters Sonderprojekt anlässlich der Münchner Opernfestspiele unterbricht die im April eröffnete Bespielung 2027 durch Haubitz+Zoche, die vom 1. August an fortgesetzt wird.
Seven Screens
Die Seven Screens sind sieben gut sechs Meter hohe Lichtstelen auf einer Wiese entlang des OSRAM-Hauses am Mittleren Ring in München. Mit LED beleuchtet, stehen sie als überdimensionale Leinwände Licht- und Medienkünstlern zur Verfügung. In regelmäßigen Abständen lädt OSRAM Künstler dazu ein, eine ortsspezifische Arbeit für die Lichtstelen zu entwickeln. Mit den Seven Screens weitet das Unternehmen seine Kunstaktivitäten im öffentlichen Raum aus. Die Lichtstelen wurden von OSRAM Light Consulting beidseitig mit modernster LEDLichttechnologie ausgestattet. Über eine dreiviertel Million RGB-Hochleistungs-LED sind in den Säulen verbaut und können über Lichtwellenleiter von einem zentralen Rechnerraum aus gesteuert werden. In einem Rasterabstand von zehn Millimetern installiert, ermöglichen es pro Lichtfläche 55.296 LED die Säulen mit statischen und bewegten Bildern zu bespielen.
OSRAM Art Projects
Zu den OSRAM Art Projects gehören neben den Seven Screens auch die Gallery und die Collection. OSRAM fördet gezielt zeitgenössische Kunst und präsentiert in der Gallery verschiedene künstlerische Positionen. Aus den Ausstellungen erwirbt das Unternehmen Arbeiten, die in die Collection eingehen. Um Kunst in den Arbeitsalltag bei OSRAM zu integrieren, zieren die gesammelten Werke nicht nur Büro- und Besprechungsräumen, sondern sie können darüber hinaus auch von Mitarbeitern nach Hause ausgeliehen werden. Leiter der OSRAM Art Projects ist der Kunstwissenschaftler Dr. Christian Schoen.
Siehe auch: www.OSRAM.de/art
Diana Thater
Diana Thater, 1962 in San Francisco geboren, lebt und arbeitet in Los Angeles. Sie studierte Kunstgeschichte am Art Center College of Design, Pasadena und an der New York University. Sie erhielt zahlreiche Stipendien und Ehrungen, darunter das Stipendium der John Simon Guggenheim Memorial Foundation, New York (2005) und den James D. Phelan Art Award in Film and Video von The San Francisco Foundation, San Francisco (2006).
| Ausstellungen (Auswahl, seit 2003) (E = Einzelausstellung) |
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| 2007 |
Artspace, Newton, Auckland, New Zealand |
| 2006 |
Haunch of Venison, London, GB (E) |
| 2005 |
David Zwirner, New York, USA (E) |
| 2004 |
Kunsthalle Bremen, Deutschland (E) |
| 2003 |
Haunch of Venison. London, GB (E) |


