Haubitz + Zoche
Haubitz + Zoche: 2027, Videoinstallation auf LED-Screens
24. April 2007 – 24. Oktober 2007
Häuserzeilen einer fiktiven Großstadt sind überflutet. Die Fassaden der Hochhäuser und skurrilen Bauten spiegeln sich im Wasser, die Straßen wirken menschenleer und verlassen. 2027, der Titel der Videoinstallation von Haubitz + Zoche, bezieht sich auf das Jahr der Handlung von Fritz Langs Film Metropolis, der genau 100 Jahre nach seinem Erscheinungsjahr 1927 spielt. Ein Abstand, der angesichts der zeitlichen Nähe aufmerken lässt, in welche diversen negativen Zukunftsvisionen wir heute schon gerückt sind.
Als an heutigen Erfahrungen gebrochene Referenz auf Langs urbanistische Dystopie lassen sich vielleicht die langsamen, traumartig verschwimmenden Aufnahmen der verschiedenen Hausmodelle lesen. Mit diesen wird der Ideenraum zwischen Revolutionsarchitektur, modernem Funktionalismus und Postmoderne vermessen; aber nur, um ihn schließlich im diffus bewegten, ort- und zeitlosen, blauen Wasser wieder aufzulösen. Im gleichen, unwirklichen und auf den Kopf gestellten Bildraum agieren auch die Schwimmerinnen, die im Schwerelosen nach Halt und im Unkontrollierten nach Kontrolle zu suchen scheinen.
Bei allen Anspielungen vermeiden Haubitz + Zoche allzu direkte Bezüge auf aktuelle ökologische, soziale oder kulturelle Problemfelder. Indes geht es immer wieder um Begriffe wie Auflösung, Destabilisierung und Dezentrierung - in formaler wie in inhaltlicher Hinsicht. Doch die Arbeit geht über diese Referenzen hinaus. Mindestens genau so wichtig sind der spezifische Ort und seine Bedingungen. Auch der ästhetische Eigenwert zählt: Bilder von suggestiver Schönheit; Bilder, die einen so hypnotischen Sog erzeugen, dass man ohnehin vergisst, welcher Horizont herrscht und welche Levels noch zu bewältigen wären.
Das Künstlerduo Haubitz + Zoche
Haubitz + Zoche (Sabine Haubitz, geb. 1959 und Stefanie Zoche, geb. 1965) arbeiten seit 1998 zusammen. Sabine Haubitz studierte an der Hochschule der Künste Berlin sowie an der Akademie der Bildenden Künste München und war von 1993-96 dort Assistentin bei Andreas von Weizsäcker. Sie erhielt 1988 den Kodak Nachwuchsförderpreis und 1996 ein Projektstipendium der Landeshauptstadt München. Stefanie Zoche studierte am Middlesex Polytechnic in London. Von 1995-97 hatte sie ein Förderstipendium des Bayerischen Kultusministeriums und war von 1999-2000 Assistentin in der Klasse McBride in München. Ihre Foto- und Videoarbeiten sowie ihre Installationen wurden bisher u.a. in Schweden, Deutschland, Österreich, Belgien, Portugal, der Schweiz, den Niederlanden und den USA gezeigt. Unter anderem stellten die Künstlerinnen aus im Fotomuseum München, der Galerie Walter Storms München, und im Museo Carrillo Gil in Mexiko. Eine der jüngsten Fotoprojekte trägt den Titel Sinai Hotels. Die Fotoserie zeigt unvollendete Hotelressorts in der Wüste der ägyptischen Halbinsel Sinai. Für den Bildband Sinai Hotels erhielten Haubitz + Zoche den Deutschen Fotobuchpreis 2006/2007.
Die Arbeiten im öffentlichen Raum von Haubitz + Zoche reichen von Raum-, Foto- und kinetischen Installationen bis zu skulpturalen Arbeiten. Spektakuläre Fotoinstallationen waren u.a. in Rotterdam im Maastunnel und in der Münchner U-Bahn zu sehen. Außerdem hat das Künstlerduo einige ortsspezifische Installationen für öffentliche Institutionen und Unternehmen realisiert, wie der Ludwig-Maximilian-Universität, München, der Deka Bank, Luxemburg, und der Allianz, München.
Konzept und Realistion: Haubitz + Zoche
Stadtansichten:
Unterwasser-Studio und technische Umsetzung:
Uwe Steckhan, Filmyard, Berlin
Unterwasserkamera: Stefan Lindenau
Modellbau: Julie Goll, Haubitz + Zoche
Synchronschwimmerinnen:
Carole Rausch, Bettina Wrase (Isarnixen, München)
Unterwasserkamera: Haubitz + Zoche
Location: Olympiabad München
Videoschnitt: Haubitz + Zoche
Videobearbeitung: Toni Maroni


