© Copyright Archivo Fotografico Fabbrica di San Pietro

Smarte LED-Beleuchtung im Vatikan

Der OSRAM Podcast: Episode #1 mit Martin Reuter


Hallo und herzlich willkommen im Photonstudio, dem OSRAM Podcast. Mein Name ist Dieter Schierer und ich bin OSRAM Mitarbeiter im Bereich digitale Kommunikation, und freue mich sehr, die erste Folge dieses neuen Formats moderieren zu dürfen. Was erwartet Euch beim Photonstudio? Spannende Geschichten rund ums Thema Licht, oder besser gesagt ums Thema Photonik. Denn Lichttechnik ist schon heute viel mehr als Beleuchtung, es geht um unsichtbares Licht und Sensorik zur Informationsübermittlung. All das umfasst das Wort Photonik. Und genauso wie sich OSRAM wandelt, vom traditionsreichen Glühlampenhersteller hin zum digitalen Hightech-Unternehmen, wandelt sich die Bedeutung von Licht. Mit sichtbarem, wie unsichtbarem Licht lässt sich die Umwelt erfassen, etwa im Verkehr, und kann es Informationen an die Umwelt kommunizieren, und das unschlagbar schnell - mit Lichtgeschwindigkeit. In einer zunehmend vernetzten Welt entwickelt sich Licht damit zum technologischen Rückgrat für neue digitale Anwendungen. Ich kann Euch versprechen, Ihr werdet Licht mit anderen Augen sehen. Wer sind unsere Gäste? OSRAM Mitarbeiter, die in verschiedensten Bereichen und Abteilungen tätig sind. Von der Forschung und Entwicklung bis hin zu Lichtdesignern und Experten für nachhaltiges Wirtschaften.

Für unsere erste Folge haben wir uns anlässlich der bevorstehenden Osterfeiertage ein passendes Thema vorgenommen: Die neue Beleuchtung im Vatikan. Von der Sixtinischen Kapelle bis zum Petersdom, hier hat OSRAM smartes LED-Licht für eine der größten Kunstschätze der Menschheit installiert. Zu diesem Thema habe ich heute Martin Reuter eingeladen. Er war unter anderem für die Installation im Petersdom mitverantwortlich und ich bin sehr gespannt von ihm zu hören, wie er im wahrsten Sinne des Wortes, Licht in die 400 Jahre alten Kunstwerke gebracht hat.

Dieter: Martin, herzlich willkommen zu OSRAM Podcast. Ich bin sehr froh, dass du dir die Zeit genommen hast und dass wir uns heute über die Vatikan-Projekte von OSRAM unterhalten können.

Martin: Hallo Dieter, das freut mich auch sehr, dass ich an diesem Podcast teilnehmen darf und ein paar Dinge über die vatikanischen Projekte erzählen darf. Ich bin mal gespannt, auf was wir heute alles kommen.

Dieter: Super, dann danke nochmal! Martin, gleich zum Einstieg, kannst du mal kurz verraten, was ist deine Rolle bei OSRAM? Womit beschäftigt sich ein studierter Maschinenbauer jetzt?

Martin: Das Maschinenbaustudium ist ja schon relativ lang vorbei. Ich bin seit 1992 bei OSRAM, besser gesagt habe bei der OSRAM Light Consulting im Dezember 1992 angefangen. Dort war ich immer im projektorientierten Kundengeschäft tätig. Ich erzähle immer sehr gerne, dass mein erstes Projekt die Riedersteinkapelle am Tegernsee war. Nach 25 Jahren war dann das Highlight meiner beruflichen Entwicklung, mit im Team zu arbeiten bei der Sixtinischen Kapelle für die neue Beleuchtung. Und dazwischen lagen ganz viele kundenorientierte Projekte: Museen, Fabriken, Geschäfte und auch Internetanwendungen. Um auf die Frage zurückzukommen, mit Maschinenbau hat das nichts mehr zu tun. Das ist jetzt einfach learning by doing.

Dieter: Aber trotzdem ein technisches Verständnis musst du haben für die Produkte, die du verbaust oder für die Skizzen, die du anfertigst. Oder wie kann man sich das vorstellen, wenn man jetzt an diese Riedersteinkapelle am Tegernsee denkt? Was hast du da gemacht?

Martin: Da ging es tatsächlich um Lichtplanung und auch schon das erste Mal um eine eigene kundenspezifische Leuchte. Dazu hat man natürlich als Maschinenbauer den Vorteil, dass man sich im Konstruktiven ein bisschen auskennt. Man weiß welche Materialien welche Eigenschaften haben und auch wie man verschiedene Dinge fertigen kann. Das hilft natürlich bei der Sache ungemein. Was man natürlich als Maschinenbauer nicht kann, ist das ganze Thema rund ums Licht. Da lernt man in Physik, dass Licht eine Welle oder ein Teilchen ist. Aber nicht wie man Licht berechnet, was Blendung ist, was die Kriterien für gute Beleuchtung sind. Das lernt man dann wirklich im Job und das macht wahnsinnig viel Spaß. Das ist auch jeden Tag eine neue Erfahrung, die man dort machen kann.

Dieter: Das glaube ich dir sofort, es hört sich sehr spannend an. Damit wir gleich auch Richtung Süden gehen, also zum Nachbarland Italien: Ich meine OSRAM verbindet mit Italien schon eine lange Geschichte. Wenn man jetzt an Rom denkt, da gibt es ja diese berühmte Lampada OSRAM am Bahnhofsvorplatz vom Bahnhof Termini und auch andere Projekte. Die Stadt, und das Land, ist auch wichtig für OSRAM. Welche Projekte hat OSRAM für den Vatikan oder Rom schon mal gemacht?

Martin: Also für Rom selber kann ich jetzt nicht wirklich viel sprechen. Dort ist natürlich OSRAM in aller Munde. Wie du richtig sagst, die Lampada OSRAM am Bahnhofsvorplatz, die leider nicht mehr existiert. Wir haben auch gesehen, dass für die Sixtinische Kapelle Vorgänger von uns schon gearbeitet haben. Zusammen mit Siemens wurde damals die Beleuchtungslösung in den späten 80er Jahren gebaut. Da gibt es sogar noch eine Gedenktafel, wenn man aus der Sixtinischen Kapelle rausgeht, wo dann OSRAM namentlich erwähnt wird. Also wir sind auch im Vatikan schon zu diesem Zeitpunkt sehr bekannt gewesen, wie das Projekt in 2013 losgegangen ist. OSRAM hat eine lange Geschichte, das Headquarter liegt in Mailand. Aber natürlich ist Rom als die Hauptstadt von Italien auch mit ganz vielen Projekten von OSRAM ausgestattet.

Dieter: Martin, die Sixtinische Kapelle hast du jetzt genannt als eines der Projekte im Vatikan. Die ist ja weltberühmt und beherbergt einige der bedeutendsten Gemälde der Geschichte. Und spirituell und kulturell ist es auch ein sehr bedeutender Ort, an dem seit Jahrtausenden Päpste gewählt werden und Michelangelos Fresken täglich tausende Besucher in ihren Bann ziehen. Das Projekt wurde im Jahr 2014 abgeschlossen und erscheint seitdem im neuen Licht. Aber die Frage ist, in welchem Licht? Was ist das Besondere an dem Projekt gewesen aus der technischen Perspektive und wo war OSRAM maßgeblich beteiligt?

Martin: Das Licht muss man unter verschiedenen Aspekten sehen. Erstens mal was die Farbqualität anbelangt. Es gilt ja gerade in der Kunst, das Spektrum des Lichtes so zusammenzustellen, dass die Kunst optimal für den Besucher wiedergegeben wird. Das heißt man verabschiedet sich an der Stelle auch teilweise von dem Sparwahn, den man am Anfang mit der LED sehr oft gesehen hat, als man gesagt hat, man liegt keinen Wert mehr auf die Qualität, sondern nur noch auf die Quantität des Lichtes. Das heißt in dem Zusammenhang, dass wir nicht nur mit einer weißen LED gearbeitet haben, sondern das Spektrum an den Rändern, hin zu rot und blau, noch mal mit einer extra LED aufgefüttert haben. Und bei den weiß konvertierten LEDs gibt es auch eine sogenannte Cyan Lücke, die wir auch noch aufgefüllt haben, so dass wir ein möglichst homogenes Spektrum für die optimale Farbwiedergabe in der Sixtinischen Kapelle kreieren konnten.

Dieter: Ich glaube Farbwiedergabe ist eine Sache, aber rein technisch gesehen, wenn die Fresken so alt sind und jede Einwirkung von außen, sei es jetzt Licht, Feuchtigkeit oder auch durch Luftzug, das alles beschädigen kann, was muss dann gemacht werden, damit das Licht im Endeffekt das auch nicht beschädigt oder auch schützt?

Martin: Das ist natürlich der nächste Aspekt, dass neben der optimalen Farbwiedergabe natürlich auch die Kunst optimal geschützt wird. Hier eignet sich die LED besonders gut, weil das Licht komplett UV frei ist. Das heißt die UV-Strahlung ist eine sehr kurzwellige Strahlung und je kürzer die Strahlung ist, umso höher ist das Schädigungspotenzial bei Stoffen, Farben und eigentlich bei allen Dingen des täglichen Lebens. Das kann man sehr gut selber im Experiment mal machen. Legen wir mal eine Zeitung an das Fensterbrett und nach der nächsten Sonneneinstrahlung sieht man sehr schön, wie die Zeitung dann ausgebleicht ist. Das gleiche hier passiert mit den Farben natürlich auch in der Sixtinischen Kapelle. Dort wurden dann mit den Laboratorien des Vatikans Versuche durchgeführt. Wir haben Stresstests mit verschiedenen Pigmenten und Farbmischungen durchgeführt. Die Farben wurden ja früher mit ganz anderen Stoffen hergerichtet, wie z.B. Eiweiß, Lasurfarben usw. Das hat die LED-Beleuchtung mit Bravour bestanden, so dass wir jetzt auch sicher sein können, dass das Licht die Kunst so bestehen lässt und auch die nächsten Generationen noch große Freude daran haben und keine Veränderungen sehen werden.

Dieter: Das heißt auf Basis von diesen experimentell festgestellten Werten wurden dann noch speziell LEDs angefertigt oder wie kann man sich das vorstellen?

Martin: Die LEDs an sich sind Standard LEDs, die wir aus dem Programm der Opto Semiconductors zusammengestellt haben. Natürlich haben wir uns die LEDs speziell rausgesucht, dass die Farbunterschiede minimal sind. Aber durch die Mischung der einzelnen Farben war es dann möglich, die optimale Farbwiedergabe und den optimalen Schutz der Gemälde zu gewährleisten.

Dieter: Das Projekt Sixtinische Kapelle war 2014 abgeschlossen, danach kamen die Stanzen des Raffael. Das sind auch Fresken, waren da die gleichen Leuchten installiert oder gab es da wiederum andere Anforderungen? Wie seid ihr da vorgegangen?

Martin: Vielleicht gehen wir noch mal zurück in die Sixtinische Kapelle, um das Thema dort abzuschließen. Weil es gibt ja zwei verschiedene Beleuchtungen, die dort entwickelt worden sind. Das ist einerseits die normale Besucher-Beleuchtung, die bei uns „Volta Beleuchtung“ genannt wird. Das ist eine für den Besucher unsichtbare Beleuchtung, sprich er sieht nur die Lichtwirkung. Auf zehn Meter Höhe ist in der Sixtinischen Kapelle ein Gesims vorhanden. Dort ist dann diese Volta Beleuchtung installiert worden, die dann nach oben strahlt und gleichmäßig das Gewölbe mit den weltberühmten Gemälden von Michelangelo aber auch die Wandmalereien, gleichmäßig und homogen ausleuchtet. Dann gibt es noch eben eine zweite Beleuchtungslösung, das ist eine so genannte „Gala Beleuchtung“, die aber nur eingeschaltet wird, wenn offizielle Termine in der Sixtinischen Kapelle stattfinden. Also es werden Messen gelesen, es gibt Konzerte und natürlich auch das Konklave. Da mussten sich die Leuchten noch nicht bewähren, das hat Gott sei Dank noch nicht stattgefunden, weil das ja meistens dann mit dem Rücktritt oder mit dem Tod eines aktiven Papstes verbunden ist. Diese Gala Beleuchtung ist auch unsichtbar für den Betrachter, das hat die Schwierigkeit mit sich gebracht, dass diese Beleuchtung motorisch ausgefahren wird und dann über dieses Gesims erst hinausragt und seine volle Beleuchtungslösung kundtun kann.

Dieter: Wenn man das auf die Stanzen des Raffael zurückführt, was wurde da gemacht?

Martin: Dort haben wir ganz andere Voraussetzungen vorgefunden. Dort gab es schon eine Informationssäule jeweils in der Mitte des Raumes. Diese hat auch schon ein Uplight beinhaltet, aber mit wesentlich schlechterer Farbwiedergabe und auch mit wesentlich schlechteren energetischen Werten. Dort haben wir dann eine umgebaute Volta Leuchten eingesetzt, die dann ganz harmonisch und gleichmäßig die Stanzen ausleuchten, ohne den Besucher in irgendeiner Form zu blenden. Der Besucher sieht auch gar nicht, woher das Licht kommt. Das macht den Reiz dieser Beleuchtung aus, dass man eben einen Raum betritt, dessen Fülle an Kunst erfährt, aber auf gar keinen Fall in irgendeiner Form geblendet wird. Da sind wir schon sehr stolz darauf, dass wir das so realisieren konnten.

Dieter: Ja, da war ich auch im Zuge des Petersdom Projektes drinnen, schon faszinierend das zu sehen. Und dann das Projekt Petersplatz, was 2016 abgeschlossen wurde und auch ein wichtiges Projekt ist. Welche Rolle hat OSRAM dort gespielt und was ist dort neu? Sind das nur Leuchten oder kam da noch was dazu?

Martin: Also in dem Fall sind es nur Leuchten. Die Leuchten für die Statuen, die oben auf den Kolonnaden stehen, sind entwickelt worden bzw. nochmal zusätzlich mit einem Blendschirm ausgerüstet worden. Ansonsten haben wir da aus Kostengründen mit Siteco Leuchten gearbeitet. Das Ziel war schlicht und ergreifend, den bis dato nur über die vier vorhandenen Kandelaber beleuchteten Petersplatz, der in den Nachtstunden wirklich duster war, zum Erleuchten zu bringen und den Menschen einen freundlichen und offenen Eindruck des gesamten Platzes zu bieten. Das wird sich jetzt dann weiterführen im nächsten Projekt, wo wir aktuell in der Realisierungsphase sind. Das ist die Fassade des Petersdomes. Der wird in dieses Konzept mit eingearbeitet, damit der Besucher auch zu den Nachtstunden und gerade in der Winterzeit mit einem hell erleuchteten, freundlichen und offenen Platz empfangen werden.

Sixtinische Kapelle ©Copyright – Governatorato dello Stato della Città del Vaticano – Direzione dei Musei
Sixtinische Kapelle ©Copyright – Governatorato dello Stato della Città del Vaticano – Direzione dei Musei

Ohne OSRAM                Mit OSRAM

Sixtinische Kapelle ©Copyright – Governatorato dello Stato della Città del Vaticano – Direzione dei Musei

Dieter: Das kann ich nur bestätigen. Auf dem Petersplatz ist es wohl so, dass wenn man die Leuchten auf volle Leistung bringt, was normalerweise nie der Fall ist, dann kann man unten auf dem Platz sitzen und ein Buch lesen und man hat das Gefühl, als wäre es bei Tageslicht. So viel Licht ist da jetzt auf dem Vorplatz.

Martin: Genau, wir erreichen dort Beleuchtungsstärken um die 50 Lux, was also für einen Platz respektabel ist. Aus Energiespargründen wird natürlich in den normalen Situationen die Beleuchtungsstärke nur auf ein Drittel ungefähr eingestellt. Das reicht aber trotzdem bei weitem aus, um sich auf diesem Platz wohl zu fühlen und entsprechend auch Dinge zu tun, die man unbedingt tun muss, zum Beispiel am Fotoapparat seine Einstellungen anpassen.

Dieter: Schön Martin! Jetzt bewegen wir uns Richtung Petersdom nach Rom, also wirklich einer der faszinierendsten Sakralbauten und Ziel von Millionen Menschen aus aller Welt. Was ist das für ein Gefühl ein Teil eines solchen Projektes zu sein?

Martin: Das kann man eigentlich schwer beschreiben, denn man arbeitet an einem einmaligen Projekt auf dieser Welt. Es ist das Zentrum des katholischen Glaubens und es ist die Hauptkirche der katholischen Welt. Es ist mit Kunstwerken ausgestattet, wie der Bernini Altar und natürlich auch die große Kuppel. Das ist einmalig! Man betritt diesen Raum und ist schier überwältigt von all diesen Umständen und es füllt einen mit großer Dankbarkeit. Aber man hat natürlich auch die Last der Verantwortung auf den Schultern, dass es entsprechend gut wird und dass man hier ein Ergebnis abliefert, das auch einen Staatschef wie den Papst zufriedenstellt. Das muss man natürlich auch so sehen, er ist nun mal eine Autorität.

Dieter: Das stimmt auf jeden Fall und die Messlatte wurde dort relativ hoch gesetzt, das glaub ich dir sofort. Ich lese mal ein paar Zahlen vor, die ich aus der Pressemitteilung entnommen habe: Modernste LED Technologie von OSRAM, 20 Kilometer Kabel, 780 LED Spezialleuchten in bis zu 110 Metern Höhe, über 100.000 LEDs und fast 90 Prozent Einsparung, was Energie angeht. Das sind schon sehr interessante Zahlen, welche durch das Projekt am Petersdom entstanden sind. Kannst du dazu etwas sagen?

Martin: Die Zahlen sprechen glaube ich schon für sich. Es war sehr viel Arbeit, 100.000 LEDs in einen Raum mit 20.000 Quadratmeter zu verteilen, um dann auch eine optimale Beleuchtung der Gewölbe, der Kuppeln, des Altars und der Besucherbereiche zu erreichen, ist natürlich ein enormer Aufwand. Und es war natürlich auch an dieser Stelle sehr viel konstruktive Tätigkeit notwendig, um die Leuchten so zu gestalten. Die meisten Leuchten sind entweder in den Gewölben verbaut oder sie sind an einem in 30 Meter Höhe befindlichen Umgang installiert. Es ist einfach ein enormer Aufwand das zu machen und dann auch entsprechend steuerungstechnisch und regelungstechnische in ein vorhandenes Gesamtsystem in Vatikan mit einzubinden, dass von einer Zentrale aus gesteuert werden kann. Damit die komplette Messe des Papstes reibungslos durchgespielt werden kann, wie in einem normalen Theater. Da gibt es ein Stellpult und dann kann derjenige, der an diesem Tag für die Beleuchtung verantwortlich ist die Szenen voreinstellen und kann dann die Szenen zum richtigen Zeitpunkt aufrufen, z.B. wenn der Papst am Hauptaltar von Berlini die Messe feiern darf.

Dieter: Das ist OSRAM offenbar auch gelungen, ich war im Zuge des Projektes mehrmals für Marketing Aktivitäten im Petersdom und dort durfte ich das alles sehen. Ich durfte sogar den Schaltraum betreten und da ist alles neu gemacht worden. Was mich besonders fasziniert hat ist die Tatsache, dass der Leiter des technischen Dienstes einfach ein iPad in der Hand hatte und wo ich ihn gefragt habe, für bestimmte Fotos und Videosequenzen, nur einen bestimmten Bereich zu beleuchten oder die Intensität und den Winkel zu ändern, dann hat er es einfach mit 2-3 Klicks auf dem iPad eingestellt. Da war ich fasziniert! Das heißt das ganze Licht was OSRAM im Petersdom gemacht hat ist jetzt komplett vernetzt. Das Thema Connection, eines unserer Kompetenzfelder, spielt hier eine ganz große Rolle, oder?

Martin: Eine ganz große Rolle! In erster Linie arbeiten wir immer auf DALI Basis und gehen dann über eine Connect Schnittstelle in die komplette Digitalisierung. Und wie du schon richtig sagst, ist das Ganze dann so weit vernetzt und digitalisiert, dass der Leiter des technischen Dienstes hier auch von seinem Büro aus, die Beleuchtung im Petersdom schalten und entsprechend einstellen kann. Das ist wirklich ein Kompetenzfeld, wo wir auch sehr stolz darauf sind, dass wird es so realisieren konnten, mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen.

Dieter: Aber das heißt, wenn man jetzt weiterdenken würde, wäre das System, was am Ende von OSRAM im Petersdom verbaut wurde ausbaufähig. Die meisten Museen und kulturellen Einrichtungen wären daran interessiert Besuchermanagement zu betreiben und zu schauen, wie viele Leute jetzt da sind, um zu ermitteln, wann es überfüllt ist. Wäre so etwas mit diesem System möglich, dass man noch weitere Sensoren einbaut, um das zu messen?

Martin: Im Prinzip ist das natürlich möglich, dass wir über Präsenzmelder auf dieses System dann Einfluss nehmen und für die Betreiber wertvolle Daten aus der Anlage herausbekommen. Da ist im Moment ganz viel in der Mache und das Thema VISN ist hier etwas, wo wir mit entsprechenden Sensoren bereits Räume und ganze Büroetagen überwachen, und die Anwesenheit sowie die Anzahl der Personen detektieren. So kann Einfluss auf die Beleuchtung und auch auf andere Gewerke genommen werden.

Dieter: Jetzt musst du wahrscheinlich erklären, was VISN ist. Für uns ist das definitiv ein Begriff, aber ich glaube für die Zuhörer ist es wahrscheinlich noch keiner. Also was ist VISN?

Martin: VISN ist ein System, was sich auf Thermo- und auf Infrarot basierten Sensoren stützt. Diese Sensoren sind nicht wie die normalen Sensoren, welche man aus dem täglichen Leben kennt, wie zum Beispiel in Strahlern für den Außenbereich, die sich anschalteten, sobald sie eine Wärmequelle entdecken. Die VISN Sensoren haben eine höhere Auflösung, wir arbeiten mit 80 x 80 Pixeln, sprich ich kann über diese Anzahl der Pixel, wie mit einer Art Wärmekamera die Anzahl der Leute in einen Raum detektieren und kann dann zählen und über gewisse Zeiträume Peaks auswerten. Ich kann natürlich auch Dinge nachschalten, wie z.B. Reinigungsdienste oder auffüllen von Gerätschaften von Automaten veranlassen. Hier stehen den Betreiber der Räume sehr viele Daten zur Verfügung und daraus können dann die entsprechenden Schlüsse und Maßnahmen abgeleitet werden.

Dieter: Das heißt bei diesem Projekt und allgemein auch bei den Projekten, wo OSRAM Systeme installiert, die zur Ressourceneinsparung Räume überwacht, sind wir im Kompetenzfeld Connection ja gut unterwegs. Also hier kann man nicht sagen, wie bei vielen der Eindruck entstanden ist, dass ist nur ein Lampenaustausch, also alte Heizstrahl Halogenlampen raus und einfach LEDs rein. Wenn man dir jetzt zuhört, dann ist es hier wohl ein Hightech Thema gewesen. Martin, ich habe noch eine Frage: Die Sixtinische Kapelle und der Petersdom sind beide auf LED umgerüstet worden. Ist das Licht in der Sixtinischen Kapelle jetzt das gleiche wie im Petersdom? In der Sixtinischen Kapelle sind es soweit ich weiß nur Fresken, die sehr alt und schützenswert sind und im Petersdom sind es wiederum Mosaiken an den Gewölben und den Seitenkuppeln. Sind da andere Anforderungen an das Material und das Licht gewesen oder wie seid ihr hier vorgegangen? Und dazu noch eine Frage: ich habe mir erzählen lassen, dass das ganze Projekt in der Anfangsphase mit einer kompletten 3D Modellierung angefangen hat, um den Betrieb und die Abläufe nicht zu stören. Daher wurde eine Art 3D Modell vom Petersdom nachgebaut, um die Lichteinwirkung und Lichtverteilung zu simulieren. Wie war das?

Martin: Also, zum ersten Teil der Frage: das Licht hat die gleiche Qualität. Wie schon erwähnt arbeiten wir mit Leuchten an den besonderen Brennpunkten mit verschiedenen LEDs und Lichtfarben, die es ermöglichen, auf die entsprechende Kunst optimal einzugehen. Zur zweiten Frage mit dem 3D Modell: das ist richtig und war ein enormer Aufwand so ein Modell aufzubauen. Aber das machen wir mittlerweile für alle Projekte in Vatikan, um einfach von vornherein schon mal sicher zu sein, dass die von uns vorgeschlagenen und für gut befundenen Beleuchtungslösungen dann auch mit einem oder maximal zwei Versuchsaufbauten, von den Verantwortlichen abgenommen werden kann. Man kann sich natürlich vorstellen, dass eine Montage von einem Licht in 30 Meter Höhe auf einem Umgang im Petersdom auch entsprechende Schutzmaßnahmen mit sich zieht. Da kann ich nicht einfach raufgehen und während des Betriebes umeinander schrauben, sondern da werden ganze Bereiche abgesperrt und das ist natürlich ein enormer Aufwand. Dieser lässt sich durch solche Berechnungen und Simulationen stark minimieren. Das ist der Grund, warum wir bei sämtlichen Projekten mit Modellierungen arbeiten.

Dieter: Eine abschließende Frage von meiner Seite: du hast die technische Seite jetzt ganz gut erklärt, aber welches Gefühl hattest du dabei, als für das Publikum und die Gäste die Lichter zum ersten Mal offiziell angegangen sind? Was ging dabei durch deinen Kopf?

Martin: Ebenso wie bei der Sixtinischen Kapelle ist es eigentlich ein unbeschreiblicher Moment, ein hoch emotionaler Moment. Das Schönste ist einfach, wenn man dann sieht, dass es den Menschen gefällt. Gerade mit dem Chor zusammen und der Musik, wie dann Schritt für Schritt das Licht eingeschaltet worden ist und man dann erst die die Stille der Menschen und diesen Aha-Effekt mitbekommt. Dann geht dieses leichte Gegrummel los, da die Leute die Kunst das erste Mal in einem bis dato nicht da gewesenen Licht betrachten können… Hoch emotional, Gänsehaut, einfach ein fantastisches Gefühl!

Dieter: Dann doch noch eine abschließende Frage: tatsächlich ist es so, dass in den Seitenkuppeln zum ersten Mal überhaupt Licht installiert wurde. Die Mosaiken in den Seitenkuppeln waren zwar bei normalem Tageslicht sichtbar, sobald die Dämmerung begann hat man da kaum etwas gesehen, weil da waren im Endeffekt nur diese Seitenfenster in den Kuppeln, die das Licht durchgelassen haben und das wars. Mit dem neuen Licht ist es wirklich unglaublich, dass man jedes Detail und jede Ecke komplett sehen kann, wie bei fantastischem Sonnenschein…

Martin: So ist es, die Leute sind nicht mehr darauf angewiesen, dass sie im Hochsommer bei 40 Grad im Schatten im Petersdom alles sehen könne. Sie können das jetzt auch an trüben Wintertagen machen. Und das ist eigentlich das Schöne, dass die Qualität des Lichtes für alle jetzt gleich ist. Das ist ein großer Vorteil, das sind nicht nur die Kuppeln, sondern auch die Gewölbe der Seitenschiffe und Seitenaltäre. Wir haben jetzt noch ein paar Dinge, die wir noch verbessern, wo im laufenden Betrieb die Verantwortlichen auf uns zugekommen sind und gefragt haben, ob wir nicht an der Statue ein bisschen was erhellen usw. Da kommen jetzt natürlich die verschiedenen Wünsche aus dem kirchlichen aus dem musealen Bereich zusammen. Da sind wir nach wie vor dabei, dass wir kleine Verbesserungen machen, aber insgesamt ist die Reaktion sehr positiv. Das zeigt ja auch, dass wir jetzt noch verschiedenste weitere Projekte im Vatikan realisieren dürfen. Angefangen von den Pinakotheken, über die Nekropole, über die Fassade des Petersdoms, über den Sala Clementina und noch verschiedenste andere Projekte, wo der Vatikan jetzt auf unsere Expertise, auf das Fachwissen und auch auf die Produkte von OSRAM zurückgreift.

Dieter: Das ist der perfekte Abschluss, Martin, du bist mir jetzt zuvorgekommen. Ich wollte tatsächlich fragen, ohne zu viel zu verraten, ob man sich auf weitere Projekte von OSRAM im Vatikan freuen darf. Das hast du jetzt gerade erläutert, dass man sich sehr wohl freuen darf und sehr gespannt sein darf, was noch in ein tolles Licht versetzt wird. Dann bleiben wir alle gespannt, ich freue mich auf die nächsten Projekte und danke dir ganz herzlich für deine Zeit heute. Das war ein tolles Gespräch, vielen Dank nochmal!

Martin: Sehr gerne Dieter, einen schönen Tag wünsche ich dir noch.

In dieser Episode haben wir von Martin gehört, welche Anforderungen an die neue Beleuchtung in Vatikan gestellt wurden und wie das smarte LED-Licht nun auch in der Sixtinischen Kapelle auf dem Petersplatz und im Petersdom funktioniert. Damit man es aber live erleben kann, hat OSRAM zwei virtuelle Touren kreiert, in die Sixtinische Kapelle und im Petersdom, was gerade jetzt in Zeiten der Corona Krise und den Ausgangsbeschränkungen eine besondere Bedeutung erfährt. Besucht auch unsere Website www.osram.com/vatikan für weitere Inspirationen zu den Projekten Petersdom, Petersplatz und Sixtinische Kapelle. Ich wünsche euch allen schon mal frohe Ostern! Bis zum nächsten Mal mit einem neuen Gast.

Hören Sie die aktuelle Episode unseres Photonstudios wie immer auf Soundcloud, iTunes, Spotify und Google Podcast.

Bleiben Sie gesund und bis zur nächsten Episode im Photonstudio. Servus!

Erleben Sie die neue Beleuchtung im Petersdom in 3D

Erleben Sie die neue Beleuchtung in der Sixtinischen Kapelle in 3D