OSRAM wird klimaneutral bis 2030

Der OSRAM Podcast: Episode #5 mit Jochen Berner


Herzlich willkommen im Photonstudio, dem OSRAM Podcast. Mein Name ist Dieter Schierer, ich bin OSRAM Mitarbeiter im Bereich digitale Kommunikation und freue mich sehr, die heutige Folge moderieren zu dürfen. Ende November 2019 konnte man in einer Pressemitteilung lesen, dass OSRAM bis zum Jahr 2030 klimaneutral sein wird. Und kaum zwei Monate später wurde unser Unternehmen auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos als nachhaltigster Lichtproduzent weltweit ausgezeichnet und schafft es sogar im Corporate Knights Rating in die weltweite Top 20 der nachhaltigsten Unternehmen der Welt.

Das alles hat meine Neugier geweckt, denn ich will wissen, wie wir unsere Klimastrategie gestalten, warum nachhaltig wirtschaftende Unternehmen für die Anleger am Kapitalmarkt attraktiv sind, was es für ein produzierendes Unternehmen bedeutet, klimaneutral zu sein und warum wir ausgerechnet das Jahr 2030 ausgewählt haben. Um diese Fragen zu klären, habe ich heute meinen OSRAM Kollegen Jochen Berner ins Photonstudio eingeladen. Er leitet die Nachhaltigkeitsabteilung bei uns und ist mit seinem Team direkt für die Erfolge im Nachhaltigkeitsbereich von OSRAM mitverantwortlich.

Dieter: Ich freue mich sehr auf ein spannendes Gespräch! Jochen, schön, dass du heute bei uns im Photonstudio bist!

Jochen: Danke Dieter!

Dieter: Dein Titel lautet Head of Sustainability, du leitest also die Nachhaltigkeitsabteilung bei OSRAM. Wie kann man sich deine Arbeit vorstellen?

Jochen: Unsere Arbeit kann man in Drittel einteilen. Ein Drittel beschäftigt sich viel damit, in die Vergangenheit zu schauen. Hier schauen wir, wie sich das Unternehmen bei bestimmten Themen verhalten hat und wie wir gearbeitet haben. Diese Informationen packen wir dann in unsere Berichte. Das kann der freiwillige Nachhaltigkeitsbericht sein, welcher mittlerweile ein relativ großer Teil des formellen Geschäftsberichts der OSRAM Licht AG ist. Das kann aber auch in der Berichterstattung gegenüber Kunden sein. Diese schicken immer mehr Fragebögen, da sie interessiert sind, auf welche Art und Weise wir unsere Produkte herstellen. Ein sehr großer Teil ist auch das Thema Kapitalmarktkommunikation. Hier stellen wir Informationen für Investoren bereit, die sich für mehr interessieren, als nur für reine Finanzkennzahlen. In den anderen zwei Dritteln unserer Arbeit setzen wir uns mit der Zukunft und manchmal auch der sehr fernen Zukunft auseinander. Hier schauen wir, wie die Welt in der Zukunft voraussichtlich aussehen wird und was für Bedeutungen das für OSRAM hat. Das kann technologisch sein, es kann aber auch sein, dass wir bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen sehen. Oder das wir sehen, dass es Gesetzgebungsinitiativen irgendwo gibt, welche die Rahmenbedingungen unserer Märkte verändern. Daraus versuchen wir abzuleiten, was es für uns bedeutet, welche darin Chancen stecken und welche Risiken hier verborgen sind.

Dieter: In der Presse haben wir letztes Jahr sehr viel zum Thema Nachhaltigkeit gesehen und gelesen: E-Scooter fahren, auf Fleischkonsum verzichten, Kleidung aus recycelten Stoffen kaufen etc. So war mein Eindruck, dass das Thema Nachhaltigkeit letztes Jahr ganz oben auf der politischen Agenda stand. Wie bist du da eigentlich privat unterwegs? Du gehst ja sicher nicht mit Plastiktüten einkaufen als Abteilungsleiter der Nachhaltigkeit, oder?

Jochen: In der Tat geht es in die Richtung. Ich habe jetzt zwar nicht vertraglich zusichern müssen, dass ich nicht mehr mit Plastiktüten einkaufe, aber wenn man sich beruflich viel mit Themen wie Ressourcenknappheit, Arbeitsbedingungen und Lieferketten auseinandersetzt, hat auch der Beruf einen Einfluss auf das Privatleben. Aber ich bin ohnehin an solchen Fragestellungen interessiert. Das wurde sicherlich nochmal stärker, als ich für OSRAM knappe vier Jahre in Ostafrika unterwegs war und aus erster Hand viele mögliche Umweltauswirkungen und auch soziale Fragestellungen sehen konnte. Da ist es selbstverständlich, dass es mit mir etwas gemacht hat. Müssen tue ich also nicht, aber ich setze mich schon damit auseinander. Zum Beispiel habe ich vor zwei Jahren den Versuch gestartet, auf Fleisch zu verzichten, was überraschenderweise hervorragend funktioniert. Ich versuche auch eher Klamotten mit Biobaumwolle zu kaufen, aber nicht alles ist Biobaumwolle. Ich versuche mich schon stark daran auszurichten, beruflich wie auch privat.

Dieter: Ende November letzten Jahres konnten wir eine richtig tolle Botschaft in der Presse lesen: OSRAM wird bis 2030 klimaneutral! Wie sollen wir uns das nun genau vorstellen? Wir sind ja ein Industrieunternehmen, wir produzieren und haben Werke, die Strom verbrauchen und CO2 in die Luft ausstoßen. Wie kann man dann dieses Ziel überhaupt erreichen?

Jochen: Vielleicht muss man als erstes mal kurz unterscheiden, welcher Teil der Wertschöpfungskette mit diesem Commitment gemeint ist. Hier geht es um unsere direkte Geschäftstätigkeit, welche klimaneutral werden soll. Wenn man sich das in einem Bild vorstellt, wäre OSRAM eine Fabrik, welche von einer Mauer umgeben wird. Alles was innerhalb unserer Mauern an CO2 Emissionen entsteht, z.B. durch das Verbrennen von Gas, Benzin oder Diesel, soll auf null gefahren werden. Aber auch durch Strom entstehende Emissionen, also wenn wir Elektrizität zukaufen. Formell entsteht die Emission zwar außerhalb unserer Mauern, aber sie wird unserem Betrieb in den Werken zugerechnet. Die Emission in diesen beiden Bereichen wollen wir auf null fahren! Da kann man viel erreichen, indem man schaut, welchen Energieeinsatz man vermeiden kann. Also worauf man durch bessere Effizienzmaßnahmen oder durch die Umstellung von Prozessen verzichten kann. Einige Dinge werden sich vielleicht nicht komplett vermeiden lassen, manchmal braucht man einfach noch eine offene Flamme zum Beispiel, da ist es etwas schwieriger das hinzubekommen. Aber den Strom haben wir in den deutschen Werken zum 1. Januar 2020 auf 100 Prozent Grünstrom umgestellt. Diese Emissionen haben wir also schon rausgenommen, aber beim Gaseinsatz sind wir zum Beispiel noch nicht so weit. Aber auch da tut sich relativ viel und es gibt mittlerweile auch grünes Gas. Da sind wir mit dem Einkauf und unseren Kollegen dran, uns das genauer anzuschauen. Das Commitment haben wir jetzt aber und die Zielgröße ist klar. Was dieses Commitment aber nicht umfasst, ist alles außerhalb unserer Mauern. Also Emissionen, die vor uns in der Lieferkette bei unseren Lieferanten für die Fertigung von Vormaterialien entstehen. Und was es auch nicht beinhaltet sind Emissionen, welche beim Kunden durch die Nutzung unserer Produkte entstehen. An beiden Teilen arbeiten wir auch, aber das Commitment, welches wir Ende 2019 kommuniziert haben, beinhaltet alles, was innerhalb unserer Mauern durch die direkte Geschäftstätigkeit von OSRAM erzeugt wird.

Dieter: Das heißt, der Strom, welcher zur Produktion in unseren deutschen Werken genutzt wird, kommt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien?

Jochen: Genau, da kann ich jetzt nicht zu detailliert einsteigen, aber der Strom wird hauptsächlich durch Wasserkraft gewonnen. Dadurch kommt er aus erneuerbaren Quellen und erzeugt keine Emissionen.

Dieter: Okay, das habe ich verstanden, der Strom ist also zu 100 Prozent grün. Und bist du zusätzlich noch als Berater für Produktionsprozesse unterwegs? Also schaut sich dein Team bestimmte Produktionsprozesse an, um nach einen Einsparpotenzial zu suchen? Oder liegt es nicht mehr in deinem Verantwortungsbereich?

Jochen: Da ist dann irgendwann die Grenze unserer Zuständigkeit als Nachhaltigkeitsteam erreicht. Wenn es an die Umsetzung geht, sind die Business Units vor Ort gefragt. Wir haben aber auch zentral ein Team, welches das Umweltmanagement macht und sehr konkret berät. Hier gibt es Möglichkeiten von Effizienzprogrammen, die man zentral starten kann, aber auch in den Werken selbst. Das heißt, da gibt es viele Möglichkeiten und viele Beteiligte an diesem Prozess. Ich muss vielleicht noch kurz einhaken beim Grünstrom. Hier ist es wichtig zu verstehen, dass es in Deutschland relativ einfach ging. In anderen Ländern, wo die Verfügbarkeit von Grünstrom noch wesentlich schlechter ist, fällt es natürlich schwerer. Zudem sind wir auch noch in Ländern aktiv, in denen man gar nicht so viel Einfluss auf den Strom nehmen kann und quasi nehmen muss, was man bekommt. Da gibt es dann andere Möglichkeiten, wie man diese Emissionen ausgleichen kann und daher auch der Zeithorizont, den wir da gewählt haben. Diese 10 Jahre sind kein Selbstläufer, die sind sportlich! Die brauchen viele Anstrengungen von Ingenieuren, wenn es um Effizienz geht. Diese Jahre hängen auch sehr stark vom Einkauf ab, der in dieser Thematik sehr engagiert ist, wenn es darum geht, diese Marktpotentiale überhaupt erst mal abzuschöpfen. Wo bekomme ich was zu welchem Preis? Was ist betriebswirtschaftlich darstellbar? Was sind andere Möglichkeiten? Das kann auch Eigenproduktion sein oder es gibt auch Unternehmen, welche sich an Windparks beteiligen. Also auch da gibt es viele Möglichkeiten, wie man das beschaffen kann. Das ist nicht so einfach, dass man nur einen Schalter umlegt oder einen anderen Tarif kauft, sondern dahinter stecken ziemlich viele Anstrengungen von vielen engagierten Kollegen.

Dieter: Das erklärt ja, warum das Ziel auf 2030 und nicht auf 2021 gesetzt wurde. Du meintest alles was sich innerhalb unserer Mauern befindet können wir direkt beeinflussen. Aber es gibt viele Vorerzeugnisse und bestimmte Teile, die wir von unseren Lieferanten beziehen und weiterverarbeiten. Haben wir da gar keinen Einfluss oder wie funktioniert das?

Jochen: Je weiter die Lieferkette von uns weg ist, umso schwieriger wird es hier die Transparenz zu erhalten. Der Einkauf verpflichtet unsere Lieferanten allerdings seit Jahren bestimmte Kriterien zu erfüllen. Das betrifft Governance Themen, Compliance Themen, Antikorruption, aber auch Arbeitsbedingungen oder das Verbot von Kinderarbeit. Da gibt es eine ganze Menge an sozialen Kriterien und selbstverständlich auch an Umweltmanagement Systemen, welche diese vorhalten müssen. Das heißt man kann schon Einfluss nehmen. Das wäre jetzt die Ebene des Rahmenvertrags und dann kann man auch noch tiefer gehen und konkrete Daten anfordern. Da kann ich mal ein Beispiel von uns als Lieferant geben: Hier wurden wir erst vor kurzem von einem Kunden konfrontiert, welcher die ganze Lieferkette vor sich CO2-frei bekommen möchte. Dieser will von uns Daten, um zu wissen, welche Emissionen mit dem Kauf unserer Produkte verbunden sind. Und genauso agieren wir auch gegenüber unseren Lieferanten.

Dieter: Das hast du gut erklärt, es ist eigentlich klar, dass unsere Kunden auch wissen wollen, wie nachhaltig wir sind. Und wie nachhaltig OSRAM ist sieht man, wenn man die Pressemeldungen vom Januar 2020 gelesen hat. Jedes Jahr werden beim Weltwirtschaftsforum in Davos die nachhaltigsten Unternehmen der Welt vom kanadischen Forschungsunternehmen Corporate Knights ausgezeichnet. OSRAM hat es geschafft, als nachhaltigstes Unternehmen in Deutschland in die Top 20 weltweit zu kommen. Und korrigieren mich hier, wenn ich falsch liege, aber wir sind Platz 11 und zusätzlich konnte sich OSRAM über die Auszeichnung als nachhaltigster Lichtproduzent weltweit freuen. Kannst du uns erklären, was das für Auszeichnungen das überhaupt sind und welche Kriterien hier geprüft werden?

Jochen: In der Tat haben wir diese Preise bekommen! Jeder Preis hat seine eigene Schwerpunktsetzung und die Bewertung beruht auf den eigenen Kriterien und Gewichtungen. Zusätzlich gibt es noch ganz viele Rankings und Ratings, an denen wir auch beteiligt sind und gut abschneiden. In der Regel fragen alle drei großen Bereiche ab. Das ist zum einen der Umweltbereich, wo diese Bewerter wissen wollen: wie sind unsere Managementsysteme? Wie sehen unsere Ziele aus? Liefern wir Daten und machen wir diese transparent? Berichten wir nach außen nur Fortschritte oder auch Rückschritte? Können wir diese erklären? Wie sieht ein langfristiger Trend aus? Das haben eigentlich alle so gemein, also Umweltthemen und dann auch soziale Themen. Du hast vorhin auch schon welche angesprochen: Beginnen wir mit der Lieferkette, den Arbeitsbedingungen, der Versammlungsfreiheit, die Kinderarbeit und so weiter und so fort. Und dann gibt es noch den Teil der Governance. Da geht es um das Gehaltsniveau, den Frauenanteil in Führungsebenen und der breiten Mitarbeiterschaft. Da geht es auch um Themen wie Compliance, Antikorruption und Bestechung. Und aus diesem ganzen Blumenstrauß an KPIs kommt dann am Ende eine Bewertung raus. Und wie diese Bewertung aussieht, ist natürlich abhängig von der Fragestellung und von der Gewichtung. Da unterscheiden sich dann natürlich die verschiedenen Rankings und Ratings, was dazu führt, dass man je nach Rating unterschiedlich abschneidet.

Das sorgt manchmal ein bisschen für Verwirrung. Wenn man da aber genauer drinsteckt, dann kann man das nachvollziehen, weil die einen eben einen stärkeren Schwerpunkt auf Umweltthemen setzen und die anderen mehr auf Governance. Aber grundsätzlich ist es meist eine recht komplexe Bewertungsmethodik. Ein Unterschied beim Corporate Knights Rating ist zum Beispiel, dass es Sektorübergreifend stattfindet. Das heißt, wir werden hier verglichen mit Automobilkonzern, mit Pharmakonzernen usw. In anderen Rankings und Ratings werden wir hingegen mit Unternehmen verglichen, welche ähnliches wie wir machen.

Dieter: Diese Auszeichnung sind ein Beweis dafür, dass wir in den letzten Jahren eine gute Nachhaltigkeitsarbeit geleistet haben und jetzt auch noch leisten. Unseren Mitbewerber waren ja auch Dax-Konzerne, da kann man auf die gemachte Arbeit dann schon stolz sein, oder?

Jochen: In der Tat können wir darauf stolz sein! Wir wollten das im Team auch noch ordentlich feiern, aber dann kamen uns leider diverse Termine und jetzt diese Homeoffice Geschichte dazwischen. Aber da kann man schon mal mit einer Apfelschorle drauf anstoßen. Man darf es nur nicht überbewerten, das ist ein schmaler Grat. Das ist eine Momentbetrachtung, meistens basierend auf den Zahlen und dem Stand aus dem letzten Geschäftsjahr. Wir verändern uns als Unternehmen, das lässt sich aus anderen Podcast-Folgen ja auch hören. Wir sind in einer wahnsinnigen Dynamik! Die neuen Technologiefelder bringen wieder völlig andere Probleme mit sich, aber auch Chancen in Bezug auf das Thema Nachhaltigkeit. Das heißt, man muss dort weiterhin dranbleiben. Wir dürfen das nicht überbewerten, aber trotzdem darf man feiern. Das ist, denke ich, sowieso etwas Wichtiges und vielleicht auch etwas, was unsere Arbeit kennzeichnet, dass wir häufig über Risiken argumentieren, wenn wir in Gespräche gehen, aber eigentlich immer nach den Chancen suchen. Das heißt, wir hangeln uns rückwärts von einem sehr optimistischen und positiven Zukunftsbild, das wir haben und das wir uns wünschen und schauen dann, was müssen wir tun, damit dieses Bild Wirklichkeit wird. Und da ist es auch total fair, sich über Geschäftsstraßen Gedanken zu machen. Einfach zu gucken, was das Thema Klimawandel bedeutet. Das hat ganz viele negative Auswirkungen. Aber das kann für uns eine Riesenchance sein, wenn wir es schaffen, Produkte zu bauen, deren Footprint am Ende über den gesamten Lebenszyklus niedriger ist, als der der Konkurrenz. Unser fester Glaube in dieser Disziplin ist, dass es ein erstrebenswertes Zukunftsbild gibt, dass man sich heute schon ausmalen kann und aus dem man rückwärts ableiten kann, was man heute tun muss.

Dieter: Vielleicht eine etwas provokative Frage, aber das Thema Nachhaltigkeit steht ja oben auf der politischen Agenda und jedes Unternehmen hat mittlerweile eine Nachhaltigkeitsabteilung. Aber ist es heutzutage nicht so, dass die Unternehmen, die nicht so nachhaltig sind, wirtschaftliche Nachteile bekommen, dadurch das in diese Unternehmen dann nicht mehr so aktiv investiert wird? Larry Flink, der letzte CEO von Blackrock, mahnte die Nachhaltigkeitaspekte bei den großen Unternehmen. Und ist es nicht eher so, dass wir gar keine Wahl mehr haben, als nachhaltig zu agieren?

Jochen: Ja, da stimme ich dir einerseits zu, aber da ist so ein kleiner Ton drinnen, den ich anders sehe. Wir hätten schon die Wahl, wenn wir bereit sind unterzugehen. Das heißt, ich kann mir überlegen, wie entwickelt sich dieses Thema weiter? Wie verändern sich den Rahmenbedingungen am Kapitalmarkt? Da ist Larry Fink übrigens einer, der durchaus auch Kritik einstecken muss, weil Blackrock als der größte Vermögensverwalter der Welt auch Investments in fossile Energieträger hat und durchaus auch noch Waffengeschäfte unterstützt, weil er dort noch nicht überall raus ist. Er fängt immerhin an nicht mehr neu in solche zu investieren. Aber das ist eine Stimme und er hat Recht insofern, dass er das eigentlich aus einem ganz klaren geschäftlichen Kalkül tut. Der ist sich sicher, dass sich die Welt verändert und dass der Klimawandel real ist und dass die Artenvielfalt stark zurückgeht und dass die Meere überfischt werden und so weiter und so fort. Übrigens auch ein sehr wichtiger Indikator ist die soziale Ungleichheit weltweit. Das heißt, dass einige Leute immer reicher werden, aber der Großteil eben nicht im gleichen Maß an Vermögen hinzugewinnt. Das sind alles solche Themen, die sieht er und die sieht er als ein systemisches Risiko. Das heißt, wenn sich die Wirtschaft nicht verändert, dann ist irgendwann die Daseinsberechtigung eigentlich auch nicht mehr da. In dem Punkt hat er durchaus Recht.

Man muss aber auch sagen, das ist jetzt nach wie vor der größte Vermögensverwalter der Welt. Das ist keine NGO oder so, er macht das aus einem geschäftlichen Kalkül. Das wiederum macht ihn mir jetzt insofern verhältnismäßig sympathisch. Und er hilft uns auch in unseren internen Diskussionen, weil auch wir nicht zum Selbstzweck Nachhaltigkeit machen, sondern es natürlich darum geht, als Wirtschaftsunternehmen erfolgreich zu sein und das Kapital, das uns anvertraut wird, zu verzinsen. Es ist unsere gesellschaftliche Aufgabe Arbeitsplätze zu schaffen, Leute zu bezahlen, zu Wachsen und Zinsen abwerfen. Und insofern ist mir diese Denke sympathisch. Das muss jetzt nicht privat sein, aber die Logik, welche dahintersteckt, ist eine ganz klare Logik der Geschäftsrelevanz.

Dieter: Jochen, neben den Klimazielen gibt es auch die 17 SDGs, die Sustainable Development Goals. Und ich weiß, dass unsere Unternehmenspositionierung mit den vier Kompetenzfeldern, Mobilität, Sicherheit, menschliches Wohlbefinden und Vernetzung auch mit diesen Development Goals eng verbunden ist. Wie kommt es dazu?

Jochen: Als wir die Unternehmenspositionierung bei OSRAM neu gemacht haben, waren die SDGs im Prinzip die Inputgeber. Wir haben uns mal angeschaut, auf welche wir uns fokussieren können und was wir Positives mit unseren Technologien bewirken können. Und diese Bereiche passen hervorragend zu unserer Unternehmenspositionierung. Übrigens kann man diese Verknüpfung auch ganz gut im Sustainability Magazin nachvollziehen.

Dieter: Bei deiner ganzen Fülle an Themen und Aufgaben, was macht dir denn am meisten Spaß bei deiner Arbeit?

Jochen: Was ich natürlich toll finde, ist diese extreme Vielfalt an Themen. Wir springen vom Thema Menschenrechte auf das Thema Klimastrategie, was total unterschiedliche Fragestellungen sind. Das macht mir einfach einen Riesenspaß. Und was ich persönlich extrem toll finde, ist diese systemische Sichtweise. Das heißt einfach zu gucken, was ist mit was verknüpft? Was ändert sich, wenn ich an einer Stellschraube drehe? Das macht mir wahnsinnig viel Freude sich da rein zu arbeiten und ganz viel im Austausch mit Kollegen aus den verschiedensten Disziplinen zu stehen, um die Weichen richtig zu stellen, damit das Unternehmen eine nachhaltige Zukunft hat. Also das heißt, dass wir wirklich einen konkreten gesellschaftlichen Beitrag leisten und am Ende alle Mitarbeiter mit einem guten Gefühl nach Hause gehen können. Das mag ich sehr an meiner Arbeit!

Dieter: Gerade jetzt erleben wir eine sehr turbulente Zeit. Das Ausmaß der Corona Krise und deren Folgen für die Weltwirtschaft wird immer deutlicher. Die Bände in den Produktionsstätten standen für mehrere Wochen still und die Umsätze brechen weg. Siehst du die Gefahr, dass man sagt, Klima im Jahr 2019 war sehr wichtig, aber jetzt müssen wir schauen, dass wir wieder Geld verdienen? Und die Klimaziele erfüllen wir erst dann, wenn wir wieder Zeit und Geld haben? Wie siehst du das? Wohin geht hier die Entwicklung?

Jochen: Ich glaube tatsächlich, dass es ein Fehler wäre, diese beiden Dinge als separate Einheiten darzustellen. Da tun sich mittlerweile auch breite Allianzen aus Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaftsführern zusammen, die fordern, dass die Millionen an Hilfsgeldern an die Klimaziele und den Klimaschutz geknüpft werden.

Dieter: Jochen, mir bleibt nur noch Dankeschön zu sagen für deine Zeit im Photonstudio und das interessante Gespräch über die Nachhaltigkeit bei OSRAM. Danke Dir!

Jochen: Vielen Dank für die interessanten Fragen und das nette Gespräch!

In dieser Episode vom Photonstudio hat Jochen erklärt, wie wir die Nachhaltigkeitsarbeit bei OSRAM gestalten und wie wir es schaffen, bis 2030 komplett klimaneutral zu sein. Diese und alle anderen Episoden unseres Podcast können Sie auf iTunes, Spotify, Soundcloud und Google Podcast hören. Wenn Sie mehr über OSRAMs Nachhaltigkeitsstrategie wissen möchten, lesen Sie die Online-Version unseres Nachhaltigkeitsreports auf www.osram-group.com/sustainability. Viel Spaß damit und bis zur nächsten Episode im Photonstudio.

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